Der lange Weg zum neuen Feuerwehrgerätehaus in Adenau


Liebe Mitbürger:innen,

 

immer wieder werde ich darauf angesprochen, dass sich beim Neubau des Feuerwehrgerätehauses in Adenau scheinbar nichts tue. Diese Sichtweise kann ich von außen betrachtet durchaus nachvollziehen. Wer am ehemaligen badenova-Gelände vorbeikommt, sieht dort derzeit nur wenige sichtbare Veränderungen. Doch gerade bei Projekten dieser Größenordnung spielt sich ein Großteil der Arbeit zunächst im Hintergrund ab.

 

Deshalb möchte ich Ihnen heute einen Einblick geben, welche Schritte bereits gegangen wurden und warum der Weg bis hierhin lang, komplex und teilweise auch kräftezehrend war.

 

Es tut sich einiges. Auch wenn auf dem ehemaligen badenova-Grundstück noch kein neues Feuerwehrgerätehaus steht, laufen seit Jahren umfangreiche Planungs-, Abstimmungs- und Genehmigungsprozesse. Bürokratische Hürden, rechtliche Rahmenbedingungen und zahlreiche Beteiligungsverfahren lassen sich nicht einfach überspringen. Gerade bei einem Vorhaben dieser Größenordnung muss alles auf einer soliden Grundlage stehen.

 

Bereits Ende 2019 empfahl der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss dem Verbandsgemeinderat den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses für die Feuerwehr Adenau. Das bestehende Gerätehaus weist Mängel auf, die sich auch durch Erweiterungen und Umbauten nicht dauerhaft beheben lassen. Deshalb wurde deutlich, dass langfristig nur ein Neubau eine nachhaltige Lösung darstellt.

 

Doch bevor überhaupt geplant werden konnte, musste zunächst die Standortfrage geklärt werden. Ein Feuerwehrgerätehaus setzt man nicht einfach irgendwo hin. Verwaltungsseitig wurden 13 mögliche Standorte aus bauplanungsrechtlicher Sicht untersucht. Zusätzlich war eine feuerwehrspezifische Standortanalyse erforderlich. Gemeinsam mit der Feuerwehr Adenau wurde die Auswahl zunächst auf vier Standorte eingegrenzt.

 

Auf Grundlage dieser Untersuchungen und einer ersten Kostenschätzung wurde ein Architekturbüro beauftragt. Zu den Aufgaben gehörten die Vermessung möglicher Grundstücke, die Erstellung von Bodengutachten, die Entwicklung eines Vorentwurfs sowie die Ermittlung eines Kostenrahmens. Die Ergebnisse mussten anschließend in den politischen Gremien vorgestellt und beraten werden.

 

Gleichzeitig stellte sich die Frage nach der späteren Umsetzung des Projekts. Diskutiert wurde unter anderem ein Modell als Öffentlich-Private Partnerschaft (ÖPP). Hierfür waren umfangreiche rechtliche und wirtschaftliche Prüfungen notwendig. Ein spezialisiertes Beratungsbüro wurde beauftragt, verschiedene Varianten zu untersuchen und eine Wirtschaftlichkeitsanalyse zu erstellen.

 

Hinzu kam die Grundstücksfrage. Nicht alle in Betracht kommenden Flächen befanden sich im Eigentum der Verbandsgemeinde. Darüber hinaus mussten auch topografische Gegebenheiten und Erschließungsmöglichkeiten berücksichtigt werden.

 

Dann kam die Flutkatastrophe im Jahr 2021. Sie hat das Projekt deutlich zurückgeworfen. Die Verwaltung war über einen langen Zeitraum mit außergewöhnlichen Herausforderungen konfrontiert. Kräfte und Kapazitäten mussten auf andere dringende Aufgaben konzentriert werden. Auch das beauftragte Architekturbüro war von den Auswirkungen betroffen, sodass es zu weiteren Verzögerungen kam.

 

Erschwerend hinzu kamen die erheblichen Baupreissteigerungen infolge der weltwirtschaftlichen Entwicklungen. Ende 2021 wurde deutlich, dass die ursprünglich kalkulierten Kosten nicht mehr haltbar waren. Gerade bei einem Projekt, dessen Investitionsvolumen sich auf mehrere Millionen Euro beläuft, wirken sich Preissteigerungen unmittelbar auf die Finanzierbarkeit und die weitere Projektplanung aus. Ein solches Projekt muss jedoch auch finanziell verantwortungsvoll umgesetzt werden können.

 

Parallel dazu wurde gemeinsam mit der Feuerwehr ein Raumkonzept entwickelt. Wehrführung und Wehrleitung erarbeiteten eine fachliche Stellungnahme aus feuerwehrtechnischer Sicht. Mitte 2022 empfahl der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss schließlich, sich auf den Standort des ehemaligen badenova-Geländes zu konzentrieren.

 

Im selben Jahr erfolgten dort die erforderlichen Bodenuntersuchungen sowie eine Kampfmittelerkundung. Grundsätzlich ergaben sich keine gravierenden Belastungen. In einem Teilbereich bestand jedoch die Möglichkeit einer Kampfmittelbelastung, weshalb weitere Prüfungen empfohlen wurden. Die Bodengutachten zeigten zudem, dass für eine Bebauung eine besondere Gründung mittels Pfählen erforderlich sein würde. Auch diese Erkenntnisse mussten technisch und wirtschaftlich bewertet werden.

 

Im Herbst und Winter 2022 befassten sich gemeinsame Sitzungen des Haupt- und Finanzausschusses sowie des Bau-, Planungs- und Umweltausschusses mit zahlreichen offenen Fragen. Diskutiert wurden unter anderem die Notwendigkeit des Neubaus, mögliche Einsparpotenziale, Fördermöglichkeiten, alternative Standorte und die Frage, ob das Vorhaben in Eigenregie oder als ÖPP-Modell umgesetzt werden sollte. Zeitgleich habe ich mir Feuerwehrgerätehäuser anderer Kommunen angesehen und mich vor Ort über unterschiedliche Konzepte informiert.

 

Zum Jahresende 2022 wurde beschlossen, die Änderung des Flächennutzungsplanes einzuleiten und zusätzliche Bodenuntersuchungen für den Standort durchzuführen. Die Untersuchungen bestätigten die Empfehlung einer Tiefgründung mittels duktiler Rammpfähle beziehungsweise alternativer Spezialverfahren.

 

Im Frühjahr 2023 wurden politische Vertreter für eine begleitende Arbeitsgruppe benannt. Wenige Monate später wurde dann Kritik an der Standortauswahl geäußert und ein weiterer Standort ins Gespräch gebracht. Dieser Vorschlag wurde ernsthaft geprüft und in die bestehenden Untersuchungen aufgenommen. Gleichzeitig wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt und im Arbeitskreis vorgestellt. Die endgültige Standortentscheidung konnte deshalb erst im Jahr 2024 getroffen werden.

 

Auch danach waren weitere Untersuchungen erforderlich. Ein Verkehrsgutachten musste klären, wie der Standort aus verkehrstechnischer Sicht zu bewerten ist. Darüber hinaus wurde deutlich, dass eine Erneuerung eines Teilbereichs der Bachverrohrung des Wimbachs sowie Aufschüttungen des Geländes erforderlich sein würden. Zusätzlich mussten noch Grundstücksflächen vom Kindergartenzweckverband erworben werden.

 

Vor den eigentlichen Vermessungsarbeiten musste zunächst das ehemalige Nichtschwimmerbecken freigelegt werden. Parallel wurden eine Baustraße sowie weitere vorbereitende Maßnahmen für die Erneuerung der Bachverrohrung geschaffen.

 

Im Spätsommer 2025 lagen schließlich sowohl die verkehrstechnische Bewertung des Standortes als auch die Studie zur Starkregenvorsorge vor. Auf dem Gelände des ehemaligen Schwimmbades wurde die notwendige Sanierung der Bachverrohrung des Wimbachs vorbereitet. Der Bau-, Planungs- und Umweltausschuss vergab hierzu im März 2026 die entsprechenden Aufträge. Die Arbeiten laufen derzeit.

 

Diese Darstellung zeigt nur einen Teil der zahlreichen Schritte, Abstimmungen und Hintergrundprozesse, die mit einem solchen Projekt verbunden sind. Ich bin bewusst nicht auf jedes Detail eingegangen. Die tatsächliche Vita dieses Projekts würde den Rahmen dieser Kolumne vollumfänglich sprengen. Mir war vielmehr wichtig, Ihnen aufzuzeigen, warum der Weg bis hierhin so lang war und weshalb manche Entwicklungen nicht unmittelbar sichtbar sind.

 

Und damit sind wir auch noch nicht am Ende des Weges. Bis das Feuerwehrgerätehaus tatsächlich steht und seiner Bestimmung übergeben werden kann, wird noch einige Zeit vergehen. So ehrlich will ich an dieser Stelle sein. Auch die nächsten Schritte werden von Planungen, Genehmigungen, Ausschreibungen und Entscheidungen begleitet werden müssen. Dennoch haben wir in den vergangenen Jahren wichtige Grundlagen geschaffen und zahlreiche Hürden genommen. Schritt für Schritt arbeiten wir uns weiter voran. Aber der Aufwand lohnt sich, denn am Ende steht eine Investition in die Sicherheit unserer Bürger:innen sowie in die Zukunft unserer Feuerwehr.

 

Bei allem dürfen wir auch nicht vergessen, dass uns neben diesem Großprojekt weitere Herausforderungen begleiten. Auch andere Feuerwehrgerätehäuser in der Verbandsgemeinde weisen Sanierungs- oder Erneuerungsbedarf auf und beschäftigen die politischen Gremien seit Jahren regelmäßig.

 

Ich hoffe, dass ich Ihnen mit diesem Einblick etwas Verständnis dafür vermitteln konnte, warum wir heute dort stehen, wo wir stehen. Nicht alles, was wichtig ist, ist sofort sichtbar. Aber die vielen Schritte der vergangenen Jahre waren notwendig, damit am Ende ein tragfähiges, wirtschaftlich vertretbares und zukunftssicheres Feuerwehrgerätehaus für Adenau entstehen kann.


Herzliche Grüße


Ihr 

Guido Nisius

Bürgermeister