5 Jahre nach der Flutkatastrophe: Die Flut ist Teil unserer Geschichte


Liebe Mitbürger:innen,

 

in diesem Jahr jährt sich die verheerende Flutkatastrophe im Ahrtal zum fünften Mal. Fünf Jahre sind vergangen seit jener Nacht, die das Leben vieler Menschen für immer verändert hat. Eine Nacht, die tiefe Spuren hinterlassen hat in unseren Orten, in unserer Landschaft und vor allem in den Herzen der Menschen.

 

Auch fünf Jahre später gedenken wir der Menschen, die ihr Leben verloren haben. Unsere Gedanken sind bei ihren Angehörigen sowie bei allen, die schwere Verluste erlitten haben und bis heute mit den Folgen der Katastrophe leben. Wir alle haben unsere eigenen, ganz persönlichen Erinnerungen an die Nacht der Flut und die Tage danach. Manche Bilder sind verblasst, vieles aber bleibt unauslöschlich. Wie der stellvertretende Landrat des Kreises Euskirchen, Ralf Claßen, der selbst von der Flut betroffen war, kürzlich treffend formulierte: „Traumata enden nicht mit dem Ende des Hochwassers, sie leben weiter, leise, hartnäckig, real.“

 

Die Verbandsgemeinde Adenau war und ist vom Ausmaß dieser Katastrophe stark betroffen. Orte, die über Generationen hinweg Heimat waren, wurden innerhalb weniger Stunden zerstört. Die Bilder von damals werden wir nie vergessen. Doch ebenso unvergessen bleibt, was danach geschah: eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft, des Zusammenhalts und der Solidarität.

 

Mein besonderer Dank gilt den vielen Helfer:innen, den Hilfsorganisationen, den Feuerwehren, den Einsatzkräften und der gesamten Blaulichtfamilie. Menschen, die in den Stunden und Tagen der Katastrophe bis an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gegangen sind, um Leben zu retten, Betroffene zu unterstützen und Hoffnung zu schenken. Ebenso danke ich den Mitarbeitenden in den Verwaltungen, den ehrenamtlich Engagierten, den Vereinen, Unternehmen und den vielen Menschen aus nah und fern, die uns bis heute begleiten. Sie alle haben dazu beigetragen, dass aus tiefem Schmerz ein Mut machendes Gemeinschaftsgefühl entstehen konnte.

 

Fünf Jahre nach der Katastrophe sind viele Fortschritte sichtbar geworden. Vieles wurde wiederaufgebaut, zahlreiche Projekte konnten verwirklicht werden und manche Wunden beginnen langsam zu heilen. Gleichzeitig wissen wir, dass der Weg noch nicht zu Ende ist. Der Wiederaufbau bleibt eine Generationenaufgabe, die weiterhin Geduld, Kraft und Ausdauer erfordert.

 

Die Zeit nach der Flut hat uns aber auch gezeigt, wozu wir gemeinsam fähig sind, wenn es darauf ankommt. Umso bemerkenswerter ist es, wie wir über Orts- und Verwaltungsgrenzen hinweg zusammengerückt sind.

 

So wurde bei der Flut die Abwasserinfrastruktur und die zentrale Kläranlage der Verbandsgemeinde Adenau in Dümpelfeld größtenteils zerstört. In der benachbarten Verbandsgemeinde Altenahr war die Situation sogar noch dramatischer. Statt getrennte Wege zu gehen, haben wir unsere Kräfte gebündelt. Gemeinsam stellen wir nun die Abwasserentsorgung auf Verbandsgemeindeebene grundlegend neu und zukunftssicher auf.

 

Auch auf Ebene der Ortsgemeinden ist man eng zusammengerückt. Die interkommunale Sportanlage, die Dümpelfeld, Schuld und Insul gemeinsam errichtet haben, ist dafür ein wunderbares Beispiel. Drei Gemeinden haben sich zusammengeschlossen, Kräfte gebündelt und einen Ort geschaffen, der die Menschen aus allen drei Orten wieder zusammenbringt.

 

All dies beweist: Aus Wiederaufbau kann Zusammenhalt wachsen, wenn wir ihn gemeinsam tragen. Dass wir miteinander sprechen, voneinander lernen und uns gegenseitig unterstützen, gehört zu den wichtigsten Erfahrungen, die wir aus der Katastrophe mitnehmen können.

 

Der Gedenkmonat Juli bietet in diesem Jahr zahlreiche Möglichkeiten des Erinnerns und des Austauschs. So präsentiert die Kreisverwaltung Ahrweiler gemeinsam mit der niederländischen Organisation Museum of Humanity die Freiluftausstellung „We AHR strong. 5 Jahre, ein neuer Blick“. Ab dem 13. Juli 2026 werden für sechs Wochen an vier zentralen Orten entlang der Ahr großformatige Porträts von Menschen aus der Region gezeigt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Menschen des Ahrtals selbst. Menschen, die die Flut erlebt, Verluste ertragen, Verantwortung übernommen und den Wiederaufbau mit großer Kraft mitgestaltet haben.

 

Darüber hinaus lädt die Ausstellung „MemoriAHR – Weg der Erinnerung für die Zukunft“ im Foyer des Landtags Rheinland-Pfalz noch bis zum 7. August 2026 dazu ein, sich mit den Ereignissen und ihren Folgen auseinanderzusetzen. Entlang der Ahr sind in den vergangenen Jahren zudem zahlreiche Erinnerungsorte und Gedenkstelen entstanden, die das Gedenken dauerhaft im öffentlichen Raum verankern.

 

Auch die Verbandsgemeinde Adenau möchte ihren Beitrag zur Erinnerungskultur leisten. Deshalb werden wir im Oktober mit unserer Ausstellung „Juli 2021: Die Flut. Die Folgen. Die Menschen.“ an die Ereignisse erinnern. Bewusst wählen wir dafür einen Zeitpunkt außerhalb der großen medialen Aufmerksamkeit rund um den Jahrestag im Juli.

 

Das Gedenken an die Flut mahnt uns, die Opfer und die Erfahrungen jener Tage niemals zu vergessen. Zugleich erinnert es uns daran, welche Stärke in unserer Gemeinschaft liegt.

 

Die Erinnerung soll nicht nur zurückblicken, sondern uns auch Mut für die Zukunft geben. Die Verbandsgemeinde Adenau steht weiterhin fest an der Seite ihrer Bürger:innen. Gemeinsam werden wir den begonnenen Weg des Wiederaufbaus fortsetzen und die Zukunft unserer Heimat gestalten.

 

Ihr

Guido Nisius